Bei uns ist es schon zu einer kleinen Tradition geworden, einmal im Jahr nach Eisenach zu fahren. Die Wartburgstadt ist mittlerweile das zweite Zuhause der Strauchdiebe.

Dieses Jahr war es im Mai soweit. Wir kamen nach knapp 3 Stunden Fahrt ohne Zwischenfälle in unserer Ferienwohnung an und erledigten erstmal die obligatorischen Einkäufe. Das erste Abendessen nahmen wir im Gasthaus »Am Storchenturm« zu uns. Wir mögen das rustikale, bäuerliche Ambiente sehr und wurden auch vom Essen nicht enttäuscht. Ein kleiner Verdauungsspaziergang führte uns dann am eigentlichen Storchenturm (ein mittelalterlicher Wehr- und Gefängnisturm) über den Alten Friedhof zum MarktSpätestens jetzt stellte sich dieses schöne »wir sind angekommen«-Gefühl ein.

Dienstag, 9.5. – Opfermoor Niederdorla

An unserem erster Urlaubstag unternahmen wir bei leicht bedecktem Himmel eine Reise zum Mittelpunkt der Erde … ähm… Deutschlands. Das kleine thüringische Örtchen Niederdorla bekam im Zuge der Wiedervereinigung bereits im Oktober 1990 diesen Status verliehen. Als Grundlage diente der Mittelpunkt zwischen den äußersten Längen- und Breitengraden. Da es allerdings noch so einige andere Berechnungsmöglichkeiten diesbezüglich gibt, erheben derzeit insgesamt 5 Gemeinden Anspruch auf den Titel »Mittelpunkt Deutschlands«. Aber das nur am Rande…

Die halbstündige Fahrt in die Gemeinde haben wir nicht deswegen getätigt. Unser Ziel war ein germanisches Opfermoor. Zwischen 1957 und 1964 wurden dort Gegenstände gefunden, die zeitlich zwischen dem 6. JH v.Chr. und dem 10./11. JH n. Chr. eingeordnet werden konnten. Um das Heiligtum herum gab es mehrere Siedlungen. Genau solch eine germanische Siedlung aus dem 3. JH n.Chr. wurde in den letzten Jahren dort als Freilichtmuseum nachgestellt. Ein Rundpfad präsentiert direkt daneben zahlreiche Opferstellen und Holzidole. 

In der Theorie klingt das alles ganz gut und selbst praktisch waren wir am Eingang noch sehr positiv gestimmt. Leider wurde unsere Stimmung aber am eigentlichen Dorf dann doch ziemlich getrübt. Das Freilichtmuseum glich einer Großbaustelle:

Das Langhaus bekam gerade ein neues Reetdach, überall lagen große Stapel Schilf, die mit blauen Planen vor Regen geschützt werden sollten. Hier und da wuselten polnische Arbeiter herum – mit einem germanischen Dorf hatte all das wenig zu tun. Der Rundweg konnte uns ebenso wenig begeistern. Hier fanden umfangreiche Baumfällungen statt und offensichtlich war man noch nicht dazu gekommen, den Baumschnitt wegzuräumen. 

Recht enttäuscht verließen wir das Gelände wieder um uns noch ein wenig an den direkt am am Eingang befindlichen See zu setzen. Zu unserer großen Freude entdeckten wir da ein Aurorafalter-Männchen (Anthocharis cardamines), dass sich sogar recht wohlwollend von uns ablichten ließ. Dieser Tagfalter fehlte uns noch in unserer kleinen Foto-Sammlung! Unsere Stimmung stieg dementsprechend wieder und wir fuhren freudig nach Eisenach zurück.

Dort angekommen war noch ein wenig Zeit bis zum Abendessen. Wir beschlossen dem Karthausgarten, dem ältesten botanischen Garten der Stadt, einen Besuch abzustatten. Wir waren sehr gespannt auf die immer wieder wunderschöne Bepflanzung und wurden neuerlich nicht enttäuscht. Tausende Stiefmütterchen, Hornveilchen, Tulpen und leider schon abgeblühte Kaiserkronen machten den Spaziergang durch die Parkanlage zu einem frühlingshaft-schönen Erlebnis. Das wir dann auch noch ein Eichhörnchen beobachten und fotografieren konnten, krönte den kleinen Ausflug.

Essen wollten wir eigentlich im Brunnenkeller, einem noch erhaltenen Teil des ehemaligen Residenzschlosses. Daraus wurde wegen zwei größeren Gesellschaften leider nichts. Zumindest haben wir direkt eine Reservierung für den Mittwoch klargemacht und wichen auf das Momento aus. Die Pizzeria befindet sich an einer weiteren Sehenswürdigkeit der Wartburgstadt, dem »Schwarzen Brunnen«. Dessen Geschichte bewegte uns schon vor einigen Jahren.

Bewegt – oder sagen wir eher “wechselhaft” – ist in all unseren Jahren in Eisenach die Gastronomie am Schwarzen Brunnen. Wir erinnern uns noch an einen Italiener, einen Spanier und an eine Zeit, als es dort einfach nichts mehr zu essen gab. Um es kurz zu machen: Uns konnte das „Momento“ nicht überzeugen. “Penne al Barolo” war so gar nicht unser Ding. Abgesehen davon, dass man mit der Rotweinsauce nicht unseren Geschmack getroffen hat, hätte man von einem Italiener wenigstens gut gekochte Pasta erwarten können. Ein Teil der Penne war ok, die andere Hälfte aber tatsächlich hart und ungenießbar. Egal. Wir ließen uns die Stimmung nicht vermiesen und statteten der in Eisenach lebenden Verwandschaft der Strauchdiebin einen sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Besuch ab.

Mittwoch, 10.5. – Eisenach & Wartburg

Für den Mittwoch sagten die Meteorologen den wahrscheinlich schönsten Tag der Woche voraus. Für uns war also vollkommen klar, wo wir am Nachmittag mit einem Eisenacher Wartburg Export sitzen würden: auf dem Metilstein

Vorher allerdings stand mit der Wartburg ein ebenso obligarorisches Ziel auf unserer Liste. Über die Burg ansich muss man nicht viel erzählen – obwohl man es dank einer 1000-jährigen Geschichte durchaus könnte. Wichtig in diesem Jahr: Weit und breit war kein Gerüst oder sonstige Spuren von Bauarbeiten zu sehen. Pünktlich zum 500. Jahrestag der Reformation erstrahlte das Wahrzeichen Eisenachs in vollem Glanze. 

Danach ging es dann bei Sonnenschein auf den schon angesprochen Metilstein. Von da aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf das Burschenschaftsdenkmal, Teile von Eisenach, die Wartburg und den Thüringer Wald. Wir haben diesen Ort selbst erst vor einigen Jahren entdeckt – sind aber seither jedes Mal dort. Für uns ist das der schönste Platz der Welt. 

Als dritte Station im Umkreis der Wartburg stand dann noch der Elisabethplan auf dem Programm. Dieses kleine Fleckchen entdeckten wir im Rahmen unserer Geocaching-Phase und seither ist es zur Tradition geworden, hier ein „Gruppenbild“ mit der Elisabeth-Statue zu schießen.

Zum Abend suchten wir dann den Brunnenkeller in Eisenach auf. Dort hatten wir am Dienstag ja einen Tisch reserviert. Komischerweise fand das sehr freundliche Personal diese Reservierung nicht in ihrem Kalender. Da hat die Kollegin vom Vortag wohl irgendwas vermasselt. Nichts desto trotz war man sehr flexibel und konnte uns einen Tisch anbieten. Als Vorspeise hatten wir eine leckere Spargelsuppe, bei der man einfach nur den Klecks süße Sahne hätte weglassen sollen. Die Hauptspeise bildete dann ein sehr gut gebratenes Rumpsteak vom Black Angus mit Kartoffelecken. Danach ging es zurück in die Ferienwohnung, wo wir uns ein kleines Feuerchen am Kamin machten und den Tag in Ruhe ausklingen ließen.

Donnerstag, 11.5. – Werrabrücke Creuzburg

An unserem letzten Urlaubstag machten wir einen Ausflug an die Werrabrücke in Creuzburg. Hier waren wir 2004 zum ersten Mal. Wir erinnern uns noch an die Bilder, die wir seinerzeit von der Liboriuskapelleeiner ehemaligen Wallfahrtskapelle unmittelbar neben der historischen Werrabrücke schossen. Gerade an den Innenaufnahmen war der schlechte Zustand der kleinen Kapelle unübersehbar.

Im Laufe der Zeit fanden allerdings umfangreiche Restaurierungsarbeiten an Brücke und Kapelle statt. Als wir im April 2013 das letzte Mal vor Ort waren, war die Kapelle wegen eben diesen Arbeiten geschlossen. Umso gespannter schauten wir uns jetzt also im Inneren des einschiffigen Baues um. Die Wandmalereien einschließlich der einmaligen Malereien aus dem Leben und den Legenden über die Hl. Elisabeth wurden soweit möglich restauriert. Auch ansonsten sieht die kleine Kapelle heute so richtig schmuck aus.

Ebenfalls durch unsere Geocaching-Phase entdeckten wir direkt an dieser Brücke vor 4 Jahren einen wunderschönen Aussichtspunkt, den wir heute wieder aufsuchen wollten. Nach einer kleinen Wanderung durch schönste Natur erreichten wir die Anhöhe, machten es uns auf der Bank bequem und genossen die Aussicht auf die Werrabrücke, das kleine Örtchen Creuzburg nebst namensgebender Burganlage.

Die schöne Landschaft veranlasste uns dann, unseren Spaziergang einfach fortzusetzen. Ein Ziel hatten wir dabei nicht – es ging einfach nur darum, die Natur bei wirklich traumhaftem Wetter zu genießen.

Gut, so gänzlich ohne Hintergedanken waren wir dann doch nicht unterwegs. Uns interessierte (nachdem wir am ersten Tag bereits den Aurorafalter gesichtet hatten) natürlich auch die hiesige Schmetterlingswelt. Bereits beim Aufstieg zum Aussichtspunkt sahen wir erneut den von uns bereits festgehaltenen Aurorafalter. Während unseres Spazierganges konnten wir noch einige andere, uns bisher noch nicht vor die Linse gekommene Schmetterlinge festhalten. Manchmal sind es ja wirklich die kleinen Dinge, die einem Freude bereiten. Genau wie eben jener Ausflug. 

Als wir danach wieder am Auto ankamen, zog sich der Himmel leider ein wenig zu. Wir beschlossen, nach Eisenach zurück zu fahren und hielten da zuerst am Prinzenteich. Im kleinen Café am ehemaligen Löschwasserteich tranken wir einen Kaffee und nahmen einen kleinen Snack in Form eines Würzfleisches zu uns. Während wir noch auf unser Essen warteten, begann es leicht zu tröpfeln. Zum Glück wurde daraus kein anhaltender Regen so das wir als letzten Punkt unserer heutigen Reise zur Hohen Sonne fahren konnten.

Der bereits wieder ruinierte Nachfolger eines barocken Jagdschlosses aus der Mitte des 18. Jahrhunderts  läßt uns immer wieder betrübt den Kopf schütteln. Bis in die 80er Jahre noch als Hotel und Ausflugsgaststätte genutzt, verfällt das schöne Gebäude seither immer mehr. Am im  Privatbesitz befindlichen Gebäude soll wohl 2012 ein niederländischer Investor Interesse gehegt haben – bis heute ist von den Plänen, hier eine Wanderherberge aufzubauen, nichts zu sehen. Im Mai 2016 hatte der Eigentümer ein Planungsbüro mit der Sicherung des Schlosses beauftragt. Die Kosten der Sofortmaßnahmen lägen bei 150.000 Euro. Eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis wurde beantragt. Was daraus geworden ist können wir nicht sagen. Ein Jahr später verwildert das Grundstück jedenfalls immer weiter und auch am Gebäude hat sich nichts augenfälliges getan. Wirklich schade um das schöne Bauwerk.

Unser letztes Urlaubs-Abendessen nahmen wir später dann im Kartoffelhaus ein. Das urige Restaurant gefällt uns vor allem wegen seiner sehr schönen Einrichtung. Aber auch mit der Kartoffelplatte für zwei Personen haben wir nichts falsch gemacht. Einziges Manko: Die Warmhalteplatte auf der unsere Speise schön angerichtet daherkam, erfüllt ihren Zweck nur sehr ungenügend.

Freitag, 12.5. – Burg Posterstein

Der Tag der Heimfahrt lässt einen immer ein wenig wehmütig werden. Wo sind nur die ganzen Tage hin? Nunja, ändern konnten wir es letztendlich eh nicht. Höchstens das Beste daraus machen und den Tag eher als allerletzten Urlaubstag denn als Rückreisetag ansehen. Gesagt, getan. Also auf der Autobahn Höhe Ronneburg den Blinker gesetzt und rausgefahren. Unser Ziel bestand im Besuch der Burg Posterstein in der gleichnamigen thüringischen Gemeinde. In den barocken, schön eingerichteten Räumen erlebten wir eine interessante Zeitreise in die regionale Geschichte. Auch den 25m hohen Bergfried bestiegen wir tapfer und genossen die Aussicht bei Sonnenschein. Zuvor schlenderten wir allerdings erstmal durch den kleinen, schnuckeligen Park der Burg. Die Burgkirche konnten wir hingegen nur noch auf einer Präsentation im Museum bewundern – seit diesem Jahr ist sie für den Besucherverkehr geschlossen.

Nach diesem durchaus lohnenswerten Abstecher ging es dann aber doch nach Hause. Obwohl… genau gesagt fuhren wir direkt noch ein kleines Stück weiter in die Kreisstadt und kauften uns neue Bewohner für unser Aquarium. Aber das ist weder urlaubs- noch gartentechnisch von Relevanz. Was wir im Garten die letzten Tage der Woche noch gemacht haben, lest ihr hier.

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